KANADA & U-S-A
10. Juli 1994
Nach dem gestrigen Tag sollte man meinen, es könnte keine Steigerung mehr geben. Aber dem sollte nicht so sein, wo ich doch heute sogar 2 Stunden selber fahren durfte. Aber mal schön der Reihe nach.
Da es gestern spät wurde, verlassen wir heute erst 8.15 Uhr den Wabasso-Campground, dieses Mal erst nach dem Frühstück. Geschlafen haben wir wieder prima, obwohl es Nachts erneut saukalt wurde. Die Matratzen sind spitze und die Schlafsäcke halten mollig warm.
Unser erstes Ziel heute war der Maligne Lake. Auf dem Weg dahin gab es wieder massenhaft Wapiti-Hirschkühe mit Kälbern und haufenweise Lilien am Straßenrand. Nach einer Stunde waren wir dann am Maligne Lake - einem 22 km langen und 97 m tiefen See, der reichlich touristisch ausgebaut ist - mit Bootstouren, Raftingangeboten etc. Wir sehen uns etwas um und betreiben Shopping im Gift Store ('Giftschuppen') während die Kinder ihre Papierflugzeuge fliegen lassen. Es ist noch etwas frisch und der Himmel reichlich bewölkt. 10.10 Uhr fahren wir wieder zurück nach Jasper. Am Medicine Lake sichten wir noch zwei 'Bighornschafe', bevor uns Mutti aus ihrem gescheiten Buch etwas über den See vorliest. Hier verschwindet nämlich der Maligne River in einem unterirdischen Kanalsystem (=einer der größten versunkenen Flüsse der Welt), um ein paar Kilometer weiter nördlich wieder ans Tageslicht zu kommen.
Der Maligne Canyon - wild und gefährlich
Ein Highlight krönt noch unseren Abstecher: der Maligne Canyon. Hier hat sich der Maligne River 50 m tief in eine Felsspalte gefressen um das starke Gefälle zum Athabaska River auszugleichen. Eine knappe Stunde wandern wir am Rande des Canyons entlang. Durch Jasper (Stadt) fahren wir anschließend durch und 12.30 Uhr verlassen wir den Jasper N.P. Drei Minuten später fahren wir wieder in British Columbien ein. Hier ist gleichzeitig Zeitzonengrenze und wir bekommen 1 Stunde geschenkt, also ist es jetzt 11.34 Uhr. Wir befinden uns jetzt im Mt. Robson Provincial Park. Der Mt. Robson ist der höchste Berg der kanadischen Rockies, 3954 m hoch. Der Gipfel hüllt sich jedoch wie fast immer in eine dichte Wolkendecke. Am Information Center haben wir gleichzeitig den nördlichsten Punkt unserer Reise erreicht. In Tete Jaune Cache zweigen wir von der N°16 auf die Yellowhead Highway N°5 South ab. Wir werden fürstlich bedient, Mutti macht uns ein Brot nach dem anderen, während die Kinder beide im Heck Siesta halten. Das Wetter wird wieder ganz toll, malerische Wölkchen gruppieren sich am Himmel. Und irgendwann bleibt Klaus plötzlich stehen und meint, daß ich wohl jetzt weiterfahren könnte. Bevor ich noch Bammel kriegen kann, sitze ich schon hinter dem Steuer, verdränge die 8 Meter hinter mir und los geht's! Die ersten paar Kilometer komme ich mir vor wie auf einem Schiff, aber danach geht's leidlich. Ganze zwei Stunden habe ich Zeit mich an das Gefährt zu gewöhnen.
Dann sind wir in Clearwater und Klaus ist wieder dran, denn jetzt geht es in die völlige Wildnis - in den Wells Grey Provincial Parc. Kurz davor gibt es jedoch noch den Spahats Creek zu bewundern: eine 122 m tiefe Schlucht, die sich der Spahats ausgegraben hat (ca. 15 km hinter Clearwater). Wells Grey Provincial Parc
Wir fahren weiter, da steht ein Camper mitten auf der Straße: aha, ein Schwarzbär knabbert wieder an irgendwas an der Böschung herum! Mutti und Klaus sind ganz mutig und steigen aus um ein Foto zu schießen. Der Bär ist jedoch schon auf dem Rückzug.
16.15 Uhr erreichen wir den Eingang des Wells Grey P.P, davor die Helmcken Lodge, die wir jedoch jetzt nicht beachten. Am Dawson Falls Viewpoint fahren wir fast vorbei, da er so unscheinbar ist. Dafür erwartet uns jedoch ein gewaltiges Naturspektakel. Der Murtle River stürzt sich zwar 'nur' 18 m tief hinunter, dafür aber auf einer Breite von 91 m ganz gigantisch! Die Spätnachmittagssonne tut ihr übriges um unsere Kameras klicken zu lassen. Und wären da nicht Myriaden von Stechmücken gewesen - wir hätten es noch länger ausgehalten. Dawson Falls - 91 m breiter - 18 m tiefer Wasserfall
Wenige Kilometer westwärts beim Helmcken Falls stürzt sich der Murtle River satte 137 m in die Tiefe. Uns bleibt glatt die Spucke weg.
Hier gibt es nur noch Superlative, inklusive einem super Regenbogen. Wir bleiben sehr lange. Eindrucksvoll, wie sich der Fluß hier in ein ehemaliges Lavabett gefressen hat (harter Basalt, der wie "Brotscheiben" abgeschnitten wird. Die einzelnen Lavaschichten und die Gasblasen darin sind deutlich zu erkennen. Doch schließlich heißt es Abschied nehmen. Es folgen 24 km 'Gravel Road' zu Deutsch = 'Schotterpiste' bis zum Clearwater Lake. Die werden von Klaus souverän gemeistert und dann finden wir tatsächlich noch einen Stellplatz am Campingplatz. Absolutes Highlight: Der Helmcken Fall
Danach folgt das Übliche: Vorbereitung zum Grillen! Vati probiert noch schnell den See aus, quasi als Duscheersatz, die Kinder werden in der Dusche unseres Wohnmobils abgefertigt. Ein letzter Gang ans Seeufer: da schwimmt doch tatsächlich noch eine Kanadagans - und nun heißt es auch für mich - Schluß für heute!
Gefahrene km heute: 506,6; Gesamt: 1629,9
(Heidi)